martin sucht die freiheit ist mein drittes Stück für das Eisenacher Landestheater. Hier ging es um mein Heimatdorf und um die Durchreise des Martin Luthers, die so inspirierend für den Hauptdarsteller sein sollte. Die Herausforderung bei dieser Vertonung bestand darin, die Musik so zu schreiben, dass sie mit geringstem personellen Aufwand live zu spielen ist. Also habe ich für eine ungewöhnliche Trio-Besetzung arrangiert, mit der ich fast dreißig Vorstellungen live gespielt habe.



julius trautvetter: flügel
leon szostakowski: cello
oli friedrich: schlagzeug

regie, bühne & kostüme: kerstin jacobssen
choreografie: leo hladka
musikalische leitung: julius trautvetter

die presse schreibt:

Martin und die vier Räuber

"Martin sucht die Freiheit" heißt das Eisenacher Weihnachtsmärchen in diesem Jahr. Ein Stück über Luther - irgendwie. Spitze ist alleine die Musik.

Wumm" macht die Kanone, die zwei tölpelhafte Soldaten in den Wald gezerrt haben. Ein Blitz, ein Knall und schon fehlen wesentliche Teile an Martin Luthers Reisekarosse. Das ist nicht weiter schlimm, der berühmte Wittenberger Theologe muss sowieso aussteigen. Vier Räuber bitten die Reisenden nämlich um die Herausgabe von Wertgegenständen. Martin aus Möhra, der heimlich zuschaut, ist verblüfft. Wie schnell sich Martin aus Wittenberg - gerade noch gefräßiger Mönch am Möhraer Mittagstisch - doch in einen smarten Junker verwandelt. "Ein Geheimnis" schärft der dem kleinen Bengel ein. Denn die Räuberpistole auf die von des Kaisers Leuten verfolgte Karosse Luthers war nur ein Bluff. Da staunt er nicht schlecht, der Martin aus Möhra - als er, sein Freund Jacob und die coole Anna wieder aus der Vergangenheit zurückkatapultiert sind auf den Wanderweg zur Wartburg. Wie spannend doch das Mittelalter ist! Gerade noch ein Bauernjunge, trägt er wieder T-Shirt und Basecap. Und auch Anna hat sich von der Magd mit weißen Häubchen, wieder in den kessen Schwarm mit Jeansrock und blauer Strumpfhose verwandelt.
Nun, so berauscht wie die Darsteller auf der Bühne von ihrer kleinen Zeitreise sind, so berauschend ist das Spiel nicht wirklich. Denn dem diesjährigen Weihnachtsmärchen fehlt es etwas an Substanz. Nett das Beiwerk wie Igelchen und Kälbchen, mit dem Regisseurin Kerstin Jacobssen den Stoff kindgerecht aufzupeppen versucht. Nett der Umstand, dass sich die Handlung, wie jeder weiß, einst ja wirklich unweit von Eisenach ereignet hat. Luther speist bei der Familie in Möhra und lässt sich anschließend im Wald entführen - mehr gibt es einfach nicht zu erzählen. Zu wenig für eine runde Sache.

Deswegen haben sich Autor Andres Müller und die Regisseurin bemüht, den Stoff mit Hilfe weiterer Stöffchen rund zu bekommen: Martin, Jacob und Anna sind Kinder von heute. Auf dem Weg zur Wartburg werden sie per Zeitmaschine in Luthers Jahrhundert katapultiert. Martin ist auch nicht irgendein Junge, sondern ein schlauer, der seinen berühmten Namensvetter bewundert, seiner Kutsche nacheilt, die Freiheit sucht. Gute Ideen, die gut funktionieren. Wie auch die Musik von Julius Trautvetter gut funktioniert: Der Musiker, der mit Oli Friedrich (Schlagzeug) und Leon Szostakowski (Cello) auf der Bühne musiziert, hat Musical-Songs und Begleitmusik geschrieben, um derentwillen alleine sich das Stück lohnt. Ein Genuss, wie er das Räuberlied ("Wir sind die Räuber") aus einem musikalischen Motiv entwickelt. Virtuos passt er unterschiedliche Stimmungen in seine Songs und immer wieder überrascht er mit musikalischen Einfällen, die zunächst zaghaft die Handlung illustrieren um schließlich in den ein oder anderen Song zu münden. Davon waren - zumindest bei der Premiere - auch die Kinder hellauf begeistert. Das Eisenacher Weihnachtsmärchen: Gut gemeint, brillant vertont, aber doch nicht ganz so rund bekommen, dass es begeistern würde. Trotzdem: Eine unterhaltsame vorweihnachtliche Theaterstunde.